Monumentale Architektur und kalter Novembernebel

NGZ Online, 13. November 2017
Neuss. Bei der Jahresausstellung des Neusser Künstler-Kreises im Romaneum können 50 Werke auf zwei Etagen bestaunt werden. Von Rudolf Barnholt

Mit einem typischen Novemberbild ist Erika Schlee vertreten: Der Nebel ist sichtbar, die Kälte nachvollziehbar. FOTO: Andreas Woitzschützke

Im Sommer hatte der Neusser Künstler-Kreis einen neuen Vorstand gewählt: Robert Jordan wurde Vorsitzender, Susanne Altweger seine Stellvertreterin. Diese Veränderung hat auch Auswirkungen auf die Jahresausstellung, die am Samstag im Romaneum eröffnet wurde: Da keine Gastkünstler zugelassen waren, ist die Ausstellung mit dem Thema „Standorte“ diesmal besonders überschaubar, erstreckt sich nur über zwei Etagen.

20 Künstler sind mit insgesamt 50 Werken vertreten. Die mit Abstand Älteste dürfte Henrika Kux mit ihren 86 Jahren sein. Sie hat auf höchst abstrakte Weise die Jahreszeiten Herbst und Winter visualisiert. Die Kaarster Kunsthistorikerin Marion Lisken-Pruss sowie der Vorsitzende und seine Stellvertreterin hatten die Ausstellung juriert. Die Entscheidung für Petra Uijtdewilligen dürfte ihnen leichtgefallen sein.

Das Stillleben „Stille“ ist ein kleines Meisterwerk: Vier weiße, brennende Kerzen auf einer Fensterbank, davor eine Brille und das dazugehörende Etui, das alles wirkt beruhigend auf den Betrachter. Susanne Altwegers Motive sind da schon spektakulärer: Ihre Fotos von einer Chicago-Reise zeigen monumentale Architektur, die durch die Natur ihren besonderen Pep verliehen bekommt: So rutscht der schmelzende Schnee von der Milleniumskuppel ab. Peter Lopski steht auf knackige Hinterteile. Und das vielleicht schönste hat der Porsche 911 der 1970er und 1980er Jahre, wie man auf seinen Bildern erkennt.

Nichts Bestimmtes zu erkennen ist auf dem großformatigen Bild von Elke Weiers, einer Collage mit Strukturpaste, Wellpappe und farblich ausgewogenen Farbfeldern. Der Betrachter kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Silja Meier bringt einen Hauch von Nostalgie ins Romaneum mit ihren gelungenen Aquarellen: Die Jungs mit ihren kurzen Lederhosen wirken wie aus den 1960er Jahren. Inge Martin zeigt abstrakte Malerei, farblich reduziert auf Schwarz, Grau und einer Spur von Blau. Mit einem typischen Novemberbild ist Erika Schlee vertreten: Der Nebel ist sichtbar, die Kälte nachvollziehbar. Klaus Menzel widmete einer Inselgruppe in Asien vier Bilder, die aber eine Einheit ergeben. Was unter anderem beeindruckt, ist der penibel ausgearbeitete Detailreichtum.

Mit gekonnt-reduzierten Landschaftsaquarellen ist Gisela Fritze vertreten, die Fotokünstlerin Hilla Baecker hat sich für den „Standort Paris“ entschieden, lässt Coco Chanel wieder lebendig werden, bettet die roten Pumps ein in eine Umgebung voller Strukturen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. November zu sehen, alle Exponate können käuflich erworben werden. Robert Jordan kündigte für 2018 interessante Aktionen an, ohne konkret zu werden: „Sie, verehrtes Publikum, dürfen sich bereits jetzt auf das Kommende freuen.“

Quelle: NGZ